Kilimanjaro-Überquerung auf der Rongai-Route 1997

Kapitel 2 - Überquerung Teil 2/2 und Abreise

Kapitel 1 - Anreise und Überquerung Teil 1/2

Letzte Hütte (4800 m) vor dem Gipfelsturm

Pünktlich um 0:00 werden wir geweckt. Die Frage nach dem Weitermachen stellt sich uns nur kurz. Gegen das eigene Körpergefühl und den Verstand machen wir intuitiv weiter. Wir stehen schließlich kurz vor dem Ziel, jetzt heißt es durchhalten. Daß dieses Verhalten auch Gefahren für Gesundheit und Leben beinhaltet wird einfach verdrängt.

Draußen ist es um die null Grad und stockdunkel. Wir orientieren uns an den Fersen des Vordermanns und dem Licht, das die Stirnlampe bietet. Nur nichts denken, Blick immer auf den Boden. Es geht durch Geröll. Man hat das Gefühl, bei zwei Schritten voraus, einen Schritt zurückzurutschen. Die körperliche Erschöpfung wird unerträglich. Als wir gegen ca. 3 Uhr nachts zwischen zwei Felsen durch auf die Hauptroute treffen, bietet sich ein kurioses Bild. Diese Route ist so stark frequentiert, daß sich eine Lichterkette von unten nach oben den Berg entlangzieht. Das Schritttempo ist dabei nur schwer vorstellbar langsam. An der Meyer-Höhle treffen wir erschöpfte Leidensgenossen, denen die Strapazen ins Gesicht geschrieben stehen. Wir quälen uns weiter, alle paar Meter lassen wir uns ins Geröll sinken und schlafen dabei fast ein. Das Weitergehen ins unvorstellbar schwer, wir tun es trotzdem. Irgendwann geht die Sonne auf und wir sind noch nicht ganz oben, machen aber trotzdem ein gequältes Foto.

Wenige Meter vor Gillmanīs Point - Blick über Sattel auf Mawenzi

Und irgendwann sind wir dann plötzlich oben. "Oben" heißt in diesem Fall Gillmanīs Point auf 5695 m, ab dem der Kilimanjaro als bestiegen gilt.

Blick von Gillmanīs Point auf Eisfelder

Wir machen einige Gipfelfotos mit uns und den Guides. Man hat einen herrlichen Ausblick, den man angesichts der Strapazen aber nur schwer genießen kann. Die Eisfelder, sowie der Ausblick auf den Mawenzi und das darunterliegende Steppenland sind die schönsten Anblicke von hier oben.

Eisfelder am Gipfel

Es geht zwar für einige noch weiter zum "Uhuru Peak", dem allerhöchsten Punkt auf 5895 m, dieses Vergnügen lassen wir uns dann aber willentlich durch die Lappen gehen. Die Kameraden die dort waren, stellen uns dann aber netterweise ihr Gipfelfoto zur Verfügung (siehe unten).

Geschafft - der Uhuru Peak

Der Abstieg ist kinderleicht. Wir rennen die Geröllhalde, bei der wir Stunden zuvor um jeden Meter gekämpft haben, leichten Schrittes hinunter bis zur Kibo-Hütte auf 4800 m. Dort genehmigen wir uns den Genuss einer 5 $ Coca-Cola, die uns nach den Strapazen der vergangenen Stunden als Geschenk des Himmels erscheint. Ein Blick in das dort ausliegende Gipfelbuch offenbart die offensichtlich ähnlichen Erfahrungen anderer Gipfelstürmer.

Wir setzen die Wanderung fort zu unserem nächsten Zeltplatz, wo wir das erste mal seit Tagen wieder eine Nacht durchschlafen können. Die uns am nächsten Tag im Regenwald-Schlamm entgegenkommenden Wanderer machen einen geschafften Eindruck und wir können nach unserern Erfahrungen nur Mitleid für diese Leute empfinden, angesichts der Dinge, die diesen noch bevorstehen.

Abstieg durch den Regenwald zum Marangu-Gate

Als wir am nächsten Tag dann am Marangu-Gate ankommen findet noch eine Urkundenverleihung an die Gipfelbesteiger statt, sowie eine Übergabe von etwas Trinkgeld und gebrauchten Ausrüstungsgegenständen an die Träger. Diese singen uns dann - wenn auch etwas widerwillig - das Kilimanjaro-Lied zum Abschied.

Im Marangu-Hotel beschließen wir dann den Abend mit einem guten Essen, einige ergänzen dieses noch um ein deftiges Besäufnis.

Am folgenden Tag findet unser Transfer nach Nairobi statt, wo wir abends noch im Restaurant "Carnivore", welches nur Fleisch serviert, dinieren. Auf der Speisekarte stehen Zebra, Strauß, Warzenschwein, Antilope und einige normale Fleischsorten.

Verdient - Abendessen in Nairobiīs Carnivore

Die Air France bringt uns über Paris nach Frankfurt, wo wir uns alle trennen, nicht ohne jedoch ein Nachtreffen zu vereinbaren. Die Erlebnisse haben uns geprägt und der Kontakt in der Gruppe besteht von Zeit zu Zeit immer noch.

 

[Bilder dieser Reise: Erich Moosmann und Thomas Pfahler, Bericht: Martin Lindemann]

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