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Sonntag, 6. August 1995

Ganz herzlich verabschieden wir uns von Giorgio und seiner Mannschaft mit "asante sana" und "kwa heri". Nochmals suchen wir Stellen mit Hippos und Krokodilen auf, zu unserer Freude verließen die Hippos während unserer Beobachtungszeit das Wasser und zeigen sich in ihrer vollen Größe.

 

Dann verlassen wir die Serengeti und um die Mittagszeit sind wir im Hafen von Mwanza. Es stellt sich heraus, dass wir mit der Überfahrt nach Kampala großes Glück haben, die MV Bukoba nimmt nach einer Reparatur erst an diesem Tag ihren wöchentlichen Dienst nach Kampala wieder auf. Das Warten auf die Abfahrt zieht sich hin, die planmäßige Abfahrtszeit verschiebt sich um eine Stunde auf 16:00. Nach und nach öffnen alle Schalter, zuerst müssen wir 20 US $ für die Hafentaxe zahlen, dann bekommt unser lieber Patrick, der uns erst verlässt, als er uns sicher auf dem Schiff weiß, ein gutes Trinkgeld. Schließlich durchlaufen wir die Immigration, danach die Yellow Fever Inspection (es genügt das Vorhandensein eines Impfpasses). Ingrid regt sich ziemlich über das Gedränge der Reisenden auf und als Lehrerin kann sie das Einleiten erster Erziehungsmaßnahmen nicht unterlas­sen.

 

Auf dem Schiff erhalten wir eine Vierbettkabine zur Alleinbenutzung, denn das Reisebüro hat uns 4 Tic­kets besorgt. Pünktlich um 16:00 legt MV Bukoba mit ziemlicher Schlagseite ab, die sie auch später nicht ablegt. Der weibliche Teil der Reisegruppe wird vom männlichen Teil der Reisegruppe mit dem Hinweis auf den Winddruck beruhigt. Die hygienischen Verhältnisse auf der Toilette 1. Klasse entsprechen in etwa denen auf einem Yangtse-Dampfer 3. Klasse – entsetzlich.

 

Das Abendessen nehmen wir in dem „Restaurant“ ein. Dabei kommen wir mit einem ca. 75 alten Deutschen ins Gespräch, der einen Großteil seines Lebens auf Weltreisen mit Eisenbahn, Bus und Schiff verbringt. Sein ganzes Gepäck füllt einen kleinen Rucksack gerade zur Hälfte ! Danach begeben wir uns in die Betten unserer Kabine, das Einschlafen fällt schwer, wir rutschen wegen der Schlagseite des Schiffes immer wieder ans Fußende des Bettes.

 

Anmerkung:  9 ½ Monate später, am 21. Mai 1996 sinkt MV Bukoba auf dem Victoria-See. Es ster­ben über 500 Passagiere. Die Zeitungen berichten, dass das Schiff schon mit Schlagseite den Ha­fen von Mwanza verlassen habe. Offensichtlich wurde der Mangel über 9 Monate lang nicht besei­tigt.

 

Montag, 7. August 1995

Die Nacht ist sehr ruhig und heiß, wir überqueren in dieser Zeit den Äquator. Etwa eine Stunde vor Ankunft in Kampala Port fährt unser Schiff vermeintlich ungebremst auf eine Wiese zu. Erst beim Näherkommen merken wir, dass wir auf einen Teppich von Seelilien zufahren, die den Victoria-See am Ufer Ugandas vollkommen bedecken.

 

 

MS Bukoba kurz vor Kampala

 

Wir fahren in diese Wiese hinein, das Schiff teilt die Wiese und hinter dem Schiff schließt sich die Wiese nach kurzer Zeit wieder. Das Ganze ist eine Folge von Umweltsünden, wie z.B. Überdüngung der Felder auf dem Festland. Im Hafen von Kampala sieht man überhaupt kein Wasser mehr.

 

Nach einer kurzen Grenzprozedur übernimmt uns in Kampala Port der Agent David von Hot Ice, der uns ins Hotel Equatorial bringt, das Pool und Terrasse hat. Das Warenangebot in Kampala ist groß, es gibt, im Gegensatz zu den Nachbarstaaten nicht nur Marktgeschehen, sondern auch Geschäfte, in denen man einkaufen kann, die einfachen Märkte sind voll von Waren hauptsächlich europäischer Her­kunft und es gibt Straßencafés. Auf einem der Märkte kaufen wir für Martin eine bis Mittwoch anzufertigende, maßgeschneiderte, schwarze Hose. Die Straßen und Bürgersteige sind allerdings in katastrophalem Zu­stand.

 

Heute Abend gehen wir im chinesischen Restaurant des Hotels üppig essen. Als wir danach gegen 22:00 noch einen kurzen Blick auf die Straße werfen sind wir total überrascht. Pralles Leben überall ! In allen bisher durchfahrenen afrikanischen Ländern traute sich um diese Zeit aus Sicherheitsgründen kaum noch ein Mensch auf die Straßen, die deshalb wie leergefegt erschienen.

 

Dienstag, 8. August 1995

Um 9:00 holt uns David mit seinem Toyota-Bus für unsere heutige Safari ab. Über eine gut ausgebau­te Straße mit rasenden LKW-Container-Transporten und Sammeltaxen geht es nach Jinja ungefähr 80 km nördlich von Kampala. Nach ca. 2 Stunden kommen wir dort an und sehen als erstes den Owen-Staudamm des Nils, der hier der Stromerzeugung dient.

 

Weiter geht es zur Quelle des Nils, mit der es seine eigene Bewandtnis hat. Der Nil hat einen Ausfluß aus dem Victoria See, aber keiner der vielen Zuflüsse zum Victoria-See hat den Namen Nil erhalten. Aber irgendwie wollte man dem Nil auch eine Quelle zuordnen und man einigte sich offenbar auf den ersten Katarakt nach dem Ausfluß aus dem Victoria-See. Aber selbst dieser Wasserfall gibt heute nicht mehr allzu viel her, denn nach der Anhebung des Wasserspiegels durch den Owen-Staudamm ist der Katarakt nur noch andeutungsweise zu erkennen. Wie dem auch sei, es berührt uns trotzdem, an der „Quelle“ des Nils zu stehen.

 

Dann der Höhepunkt – über „weltspiegel“-verdächtige, rotbraune Sandpisten geht es durch Dschungel, Plantagen und gelegentlich kleine Dörfer zu den Bujagali-Wasserfällen. Vielleicht etwas unbedarft haben wir einen Absturz des Nilwassers ähnlich den Todtnauer-Rinnsal-Wasserfällen erwartet und sind erstaunt, welche Wassermassen hier schon ca. 10 Meter tief in einer malerischen Atmosphäre fotogen herabstürzen. Man kann sich von diesem Anblick der nun ersten Wasserfälle des Nils kaum losreißen, dazu kommt, dass David ausgerechnet hier das Picknick veranstaltet, schöner hätte er heute keinen Platz wählen können. Außerdem stürzt sich ein Ugander 2 Mal mit einem kleinen, mit Luft gefüllten Plastiktank als Schwimmhilfe die Fälle hinunter, wir geben ihm jedoch weder vorher noch nachher Geld; wir wollen nicht, dass sich jemand für uns in Lebensgefahr begibt.

 

 

 

Bujagali-Wasserfälle

 

Mittwoch.9. August 1995

Am Morgen wollen wir vereinbarungsgemäß die Hose von Martin abholen, aber sie ist noch nicht mal angefangen. Wir weisen den Schneider eindringlich auf unsere heutige Abfahrt hin, er versteht unsere ganze Aufregung nicht und siehe da, 2 Stunden später erhalten wir nach einem zwischenzeitlichen Besuch in einem Straßencafé eine tadellos sitzende Hose – ein Lob dem guten, schnellen, unpünktlichen Schnei­der.

 

Nachmittags holt uns David ab und bringt uns zu dem einzigen Zug, der überhaupt in Uganda verkehrt und einmal in der Woche Kampala mit Nairobi verbindet. Dieser fährt pünktlich um 16:00 ab unter lautem Geschreie, Winken und Zurufen ab, es ist ein freundlicher Abschied von Kampala. Wir haben wieder 2 Zweibettabteile im Schlafwagen.

 

Bis gegen Abend fahren wir durch Tee- und Zuckerrohrplantagen, das Schreien, Winken und Zurufen verfolgt uns bis in die tiefe Nacht, fast scheint es uns so, als ob die Ugander nach Jahren des Terrors unter Milton Obote und Idi Amin den wieder eingerichteten Zug auch als Zeichen ihrer neuen Freiheit sehen und begrüßen.

 

 

Zug Kampala - Nairobi bei der Überquerung des Nils

 

Weniger schön, was sich im Speisewagen abspielt. Im Fahrpreis sind alle Mahlzeiten inbegriffen und wir bekommen ein herrliches Mahl serviert – abgesehen vom Blue Train das beste unserer Reise. Einem Engländer fehlt zu seinem Glück nur noch eine Flasche Wein. Der Kellner bietet ihm eine Flasche zu 35 US $ an, der Engländer will jedoch nur 15 US $ bezahlen, worauf die Bedienung jedoch nicht eingeht. Der Engländer wird laut und ausfällig und fordert den Kellner auf, ihm seinen Arsch zu zeigen. Verständlicherweise weigert sich der so Aufgeforderte, dem nachzukommen, unverständli­cher­weise fordert er den Gast nicht auf, den Speisewagen zu verlassen.

 

Donnerstag, 10. August 1995

Die nächtliche Grenz- und Zollkontrolle zwischen Uganda und Kenia verläuft wieder problemlos. In 2400 m Höhe in alpenländischer Flora und bei kalten Temperaturen wachen wir nach gutem Schlaf auf. Frühstück, Mittagessen sind im Preis inbegriffen, sie sind gut und reichhaltig, so dass wir es kaum schaffen, alles zu verzehren. Kenia kommt uns zunächst wohlhabender vor, die Häuser sind von dau­erhafterer Natur als die bisher gesehenen Lehmhütten, die Bahnhöfe gepflegter als die bisher gese­henen.

 

 

Zwischen Uganda und Kenia

 

Sehr schön der Anstieg aus dem afrikanischem Grabenbruch bei Nakuru und Naivashi mit den gleichnamigen Seen vorbei an kleinen Zebraherden. Der Naivashi-See erscheint uns von rosaroter Farbe – ein Blick durch das Fernglas zeigt uns, das die Farbe von Tausenden Flamingos stammt, die den See bewohnen.

 

Gegen 15:00 nähern wir uns Nairobi und wir sehen leider nun auch Slums, wie bisher noch nicht gesehen. Es scheint eben doch wieder so zu sein, dass je wohlhabender die Reichen, desto ärmer die Armen. Wir werden am Bahnhof abgeholt und für 3 Stunden im Hotel New Stanley untergebracht. Für unser Shopping werden uns von unserem Guide ganz klare Grenzen im Stadtplan vorgegeben, die wir nicht überschreiten sollen.

 

Das Shopping selbst zeigt ganz neue Dimensionen des Feilschens auf: Wer hier die gängige Regel, man solle als Käufer zuerst die Hälfte des vom Verkäufer angebotenen Preises anbieten, befolgt, ist „bescheuert“. Schon beim Betreten der Markthalle senken die Verkäufer „nur für heute“ die Preise auf die Hälfte. Auch das beachtet man am besten gar nicht und macht zunächst überhaupt kein Ange­bot. So erstehe ich ein hangeschnitztes Rhino, das zu einem Einstandspreis von 9500 Kenianischen Shilling angeboten wird, für 600 K. Sh. ........... und der Verkäufer macht immer noch sein Geschäft.

 

Um 19:00 fährt schließlich unser sehr sauberer und komfortabler Zug mit 23 Schnellzugwagen (! in Deutschland i. a. max. 15) nach Mombasa ab. Bereits bei der Ausfahrt aus Nairobi werden wir zum im Fahrpreis inbegriffenen 4 Gänge-Menu gerufen, das nach Ingrids Meinung nicht ganz so gut ist wie im Zug Kampala – Nairobi, schon allein deshalb, weil in diesem Zug mehrere Sitzungen durchgeführt werden müssen und damit alles etwas hektischer vor sich geht.

 

Wieder werden wir in unseren 2 Schlafwagenabteilen ermahnt, alles abzuschließen und bei nächtli­chen Gängen auf das Klo seinen Abteilgenossen zu verständigen. Langsam werden wir sarkastisch: der Sinn dieser Maßnahme solle wohl sein, dass man irgendwann die Ermordung des Klogängers registriert und dann die Tür von innen wieder abschließen kann. Tatsächlich soll natürlich der Zurück­bleibende wegen der während des Klogangs offenen Tür auf die Wertsachen acht geben.

 

Freitag, 11. August 1995

Wir kommen bei Wärme und Sonnenschein um 9:00 in Mombasa an, wo wir von einem Agenten in Empfang genommen werden. Er bringt uns in das Viertel Nyali Beach, wo hauptsächlich reiche Inder wohnen und das Nyali Beach Hotel liegt. Dort haben wir ein Tageszimmer gebucht. Das Nyali Beach wurde 1946 von den Engländern erbaut, im letzten Jahr grundlegend renoviert und ausgebaut. Es ist ein Hotel wie aus einem Reisebürokatalog mit einem Hotelgarten unter sich im Wind wiegenden Palmen, davor ein märchenhaft weißer Strand vor wiederum dem makellos blauen Indischen Ozean.

 

 

Am Indischen Ozean

 

Martin surft im Meer (sein Kommentar: "superb") und wir nehmen im Garten unser Mittagessen ein.

 

Dann ein weiteres Verhandlungsdrama in 2 Akten:

 

Martin entdeckt einen schönen, ziemlich großen, holzgeschnitzten Elefanten, der gut zu seinem schon erworbenen Rhinozeros passen würde. Die Händler dürfen nur am Strand verkaufen, den dahinter liegenden Hotelgarten dürfen sie nicht betreten:

1. Akt: Martin geht an den Strand, er erhält ein Angebot, er unterbreitet sein Angebot, man wird sich

           nicht einig und bricht die Verhandlungen ab.

2. Akt: Die Flut kommt. Die Händler werden immer mehr zur Mauer des Hotelgartens gedrängt, den

           sie nicht betreten dürfen. Bald müssen sie den Strand verlassen. Sie bitten die Hotelwächter,

           doch noch einmal den jungen Deutschen herbeizurufen, der dieser Bitte auch nachkommt. Den

           Händlern steht das Wasser bis zu den Füßen (nicht bis zum Hals) und man wird sich sehr

           schnell auf Basis des Vormittagsangebotes von Martin einig.

Gegen 17:30 werden wir wieder zum Zug gebracht. Ein gutes Abendessen im Speisewagen beschließt diesen geruhsamen Tag.

 

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